Es ist Anfang November und nicht mehr ganz klar, ob es schon Nieselregen oder noch Nebel ist. Der Vollmondschein der vergangenen Nächte ist einem unendlichen Schwarz gewichen und die Temperaturvorhersage liegt knapp über dem Gefrierpunkt. Es stand ein Overnighter an.
Wir trafen uns am Freitag Nachmittag und verließen die Stadt in Richtung Westen. Kurz vor der Stadtgrenze waren wir bereits zu fünft. Einer sollte bereits am Ziel auf uns warten. Ähnlich den ersten La Forêt Feierabendrunden war es also Neuland für mich. Ein Overnighter in Gesellschaft! Erstmal kam ich zu spät los und hatte ganz vergessen, auch Pedalplatten unter meine neuen Schuhe zu schrauben. Als ich mit Verspätung und alten Schuhen endlich am Treffpunkt ankam, stellte Mario gerade fest, dass sein Fatbike einen Platten im Vorderrad hat. Aber wir waren unaufhaltsam auf dem Weg. Genau wie die dunkle Winternacht. Bis zu unserem Versorgungsstop auf halber Strecke hatte sie uns schon fest umschlungen. Gegen den dichten Nebel und die Wassertropfen auf der Brille half auch ein guter Scheinwerfer nicht viel. Mit einem Eimer Wasser konnte aber die Bäckereiverkäuferin helfen und so das Loch im Schlauch gefunden werden. Ich ergänzte meine Vorräte um zusätzliches Wasser und Fertig-Pizzateig. Ein Geheimtipp für schnelles Stockbrot. Die Dunkelheit blieb beeindruckend. Und wenn man nicht einmal erkennt, ob auf der anderen Straßenseite ein Feldweg abzweigt, fällt auch die Navigation teils schwer.
Als wir an unserem Ziel angekommen waren, war mein Gefühl für Zeit und Raum ziemlich hinüber. Von der Feuerstelle aus war die Hütte auch mit Stirnlampe nicht zu erkennen. Unsere Lichtstrahlen kämpften sich durch den Nebel auf der Suche nach Feuerholz. Schlafplätze wurden gewählt und die Nachtquartiere aufgebaut. Das Feuer brachte wohltuende Wärme von außen und eine warme Mahlzeit von innen. Die Müdigkeit trieb mich als erster in die Hängematte.



Am Morgen wurde ich durch eine Spaziergängerin mit Hund wach. Der Nebel war noch da. Der Weg aus den Daunen fiel nicht leicht. Das, was von der Sonne durch den Nebel kam, sorgte immerhin für Farben und ein Sichtfeld, das sich nicht auf dem Lichtkegel der Stirnlampe beschränkt. Das Feuer wurde schon wieder in Gang gebracht. Eine Runde Tüten-Porridge für mich. Zusammenpacken. Ich hatte überlegt, für den Rückweg eine große Runde zu drehen. Aber die Familie rief und die geringe Sichtweite schmälert das Erlebnis einer Radtour doch sehr. Für den Rückweg zerfielen wir in kleinere Gruppen. Termine, andere Stadtteile oder Energielevel.



Es war spannend zu sehen, wie andere für solche Touren unterwegs sind. Und wieder einmal hatte mich eine Gruppenausfahrt in eine Situation gebracht, die ich alleine wohl nie alleine erlebt hätte. Und wieder einmal war es eine tolle Erfahrung.

