Die Freude am Bikepacking scheint hoch ansteckend zu sein und so ging ich mit unserem fünfjährigen Sohn auf seine erste Mini-Bikepackingtour. Lagerfeuer, Stockbrot und ein einsamer Zeltplatz im Wald waren die Zutaten für ein echtes Abenteuer.
Es gibt Menschen, die draußen unterwegs sind, zu Fuß oder mit dem Rad zum Beispiel, und machen damit einfach weiter, wenn sie Kinder haben. Katrin Iglhaut macht daraus auch noch inspirierende Videos. Und es gibt mich, der erst dann auf die Idee kommt, mit dem Bikepacking zu starten, wenn das zweite Kind schon unterwegs ist. Das Schöne an dieser Situation ist jedoch, dass man Dinge gemeinsam zum ersten Mal erleben kann. Und so war es auf dieser Tour zum Silbersee.
Mit einem fünfjährigen Kind funktioniert Bikepacking natürlich anders als alleine. Das fängt mit der Wahl des Übernachtungsplatzes und der Route dahin an. Denn während körperlich vieles machbar ist, fällt es nicht immer leicht, einen Fünfjährigen auch zum Weiterfahren zu motivieren. So vieles gibt es unterwegs zu entdecken! Käfer und Raupen. Stöcke und Steine. Innerhalb eines passend erscheinenden Radius dachte ich zuerst an den Trekkingplatz im Firnsbachtal. Ich war mir jedoch unsicher, ob unser Zelt auf der Holzplattform funktionieren würde. Und auch ein Lagerfeuer wäre nicht möglich gewesen. Bei den Vorbereitungen für unsere Bikepackingtour zur Radwoche bin ich dann auf den Jugendzeltplatz Silbersee gekommen. Eine Feuerstelle, Komposttoiletten und eine Grillhütte bieten einige Möglichkeiten und Sicherheiten.
Ein schweres Drei-Personen-Zelt, Feuerholz und Ausrüstung für zwei lassen sich natürlich auch nicht in schlanken Taschen an ein Gravelbike schnallen. Dies war eine klare Aufgabe für unser Lastenrad. Nach dem Mittagessen ging es hoch motiviert los. 350 hm auf 10 km. Das erforderte einige Gummibärchen-Pausen und sogar Schiebepassagen. Das Zugseil hatten wir natürlich zuhause vergessen. Gegen Ende ließ die Motivation dann doch etwas nach und auf die Option, an der Ahna nach Feuersalamanderlarven zu suchen, wurde dankend verzichtet.


Am Silbersee angekommen, gab es erstmal eine Entdeckungsrunde um den See. Dann musste ein Platz für das Zelt gefunden werden. Die Oberfläche des Jugendzeltplatzes zeigte sich überraschend schwierig. Viele flache Wurzeln der Fichten, Steine und Unebenheiten überall. Nach dem Zelt stand Nudelsuppe auf dem Programm. Erster Einsatz für den extra angeschafften Gaskocher. Ich glaube, Nudelsuppe wird mich noch öfter auf Touren begleiten. Elektrolyte, Kohlenhydrate und das Wasser müssen nicht verschwenderisch abgegossen werden. Frisch gestärkt und mit einem trockenen Schlafplatz könnte es endlich ans Feuer machen gehen. Feuerstahl, Magnesium, gesammelte Birkenrinde und auch ein Anzünder aus Holzwolle standen bereit. Und ja, das hat dann auch ohne Feuerzeug funktioniert. Aber ich übe noch… Stöcke wurden geschnitzt und der zweite Gang des Abendessens wurde zubereitet. Stockbrot, Marshmallows und Stockbrot mit Marshmallow-Füllung.




Als Gute-Nacht-Geschichte gab es Petterson zeltet. Alpträume von riesigen Hechten blieben zum Glück aus. Ich verfeuerte anschließend noch das letzte Holz und wachte über das abklingende Lagerfeuer, bevor es auch für mich endgültig ins Zelt ging.
Die Nacht verlief ruhig. Wir wachten bei guter Laune auf und genossen noch etwas die kuscheligen Schlafsäcke, bevor es aus dem Zelt ging. Zum Frühstück gab es Müsli und warme Milch mit Marshmallows. Während ich alles wieder zusammenräumte, ging mein Sohn noch eine Runde Kaulquappen fangen. Der Aufbruch erfolgte dann, wie so häufig, später als abgedacht. Und bevor es nach Hause ging, hatten wir noch ein Zwischenziel: Den Herkules! Also wieder ein Stück zurück und noch einmal bergauf. Dazu Regen. Wir stellten uns an einem Baum unter und es gab erstmal eine Gummibärchen-Pause. Der Regen ließ nach und wir fuhren weiter. Stolz kamen wir beide am Herkules an. Und als ob das Bergauftreten noch nicht genug war, wurde gefordert, auch die Treppen bis auf das Oktogon und unter die Statue zu erklimmen. Und spätestens damit war auch Zeit für Pommes und ein Eis.



Zurück ging es vorbei am Habichtsspiel, Dönche und Westfriedhof. Beide freudig, aber auch ein wenig erschöpft von der Nacht im Zelt. Ein tolles Erlebnis, das wir so hoffentlich noch häufiger teilen können. Noch schöner wird es sicherlich irgendwann mit beiden Kindern…
